
Alle vier Jahre sieht die Landshuter Altstadt für ein paar Wochen aus, als hätte jemand die Uhr um gut 550 Jahre zurückgedreht. Tausende Landshuterinnen und Landshuter tragen dann Gewänder nach spätmittelalterlichem Vorbild, und durch die Prachtstraße, die hier schlicht „Altstadt“ heißt, zieht ein Hochzeitszug. Die Landshuter Hochzeit 1475 zählt zu den größten historischen Festen Europas. Der nächste Termin steht fest: 25. Juni bis 18. Juli 2027.
Was 1475 in Landshut passiert ist
Im November 1475 heiratete Georg, Sohn des niederbayerischen Herzogs Ludwig IX., die polnische Königstochter Hedwig. Ihr Vater war König Kasimir IV. aus dem Haus der Jagiellonen. Getraut wurde das Paar in der Martinskirche, danach zog der Brautzug weiter zum Rathaus. Die Feier dauerte mehrere Tage, mit Festmahl, Tanz und Ritterturnier. Nach den Überlieferungen kamen rund zehntausend Gäste in die Stadt, für das damalige Landshut eine enorme Zahl.
Georg ging später als „der Reiche“ in die Geschichte ein. Der Beiname passt zu einem Fest, über das man in Landshut nach 550 Jahren immer noch spricht.
Vom Brautzug 1903 zum Festspiel heute
Getragen wird das Fest vom Verein „Die Förderer“ e. V., gegründet 1902. Schon ein Jahr später ging der Brautzug zum ersten Mal öffentlich durch die Stadt. Seit 1981 gilt ein fester Rhythmus von vier Jahren. Die Ausgabe von 2021 musste wegen der Corona-Pandemie ausfallen und wurde 2023 nachgeholt. Von 2023 aus gerechnet ist 2027 wieder an der Reihe.
Gespielt wird nicht von Profis. Rund 2.500 Landshuterinnen und Landshuter wirken mit, verteilt auf mehr als 70 Gruppen. Bei der Ausstattung nimmt man es genau. Stoffe, Waffen, Wagen und sogar die Frisuren richten sich nach Vorlagen aus der Zeit um 1475, so beschreibt es der Verein. Das sieht man auch aus der dritten Reihe am Straßenrand.
Seit 2018 steht die Landshuter Hochzeit im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.
Was zum Festprogramm gehört
Das Programm verteilt sich auf mehrere Wochenenden und einzelne Wochentage. Das genaue Programm für 2027 veröffentlicht der Verein auf landshuter-hochzeit.de. Einiges kehrt jedes Mal wieder:
- der Hochzeitszug durch die Altstadt, für den die meisten anreisen; an den Sonntagen rechnen die Veranstalter mit jeweils über 100.000 Zuschauern
- das Lagerleben, in dem gekocht, gehandwerkt und musiziert wird
- Reiter- und Ritterspiele mit Turnierkämpfen
- Fest- und Tanzspiele im Rathaus
- abends die festlichen Spiele im nächtlichen Lager
- Programm auf der Burg Trausnitz, etwa die Schwertschule und das Burgfest
Für 2027 hat der Verein außerdem ein Konzert der Landshuter Hofkapelle angekündigt.
Tipps für den Besuch
Ruhig wird es nicht, das vorweg. An den Hauptterminen ist die Altstadt voll. Ein paar Dinge machen den Tag trotzdem leichter.
Karten früh besorgen
Für Tribünenplätze beim Hochzeitszug, das Festspiel und die Turniere braucht man Karten, und die gehen schnell weg. Bei früheren Festen waren die meisten Veranstaltungen Monate vorher ausverkauft. Den Vorverkauf kündigt der Verein auf seiner Website an. Wer leer ausgeht, muss trotzdem nicht zu Hause bleiben: Viel vom Fest spielt sich frei zugänglich in den Gassen ab.
Mit Bus und Bahn anreisen
Landshut hat einen Hauptbahnhof mit guter Verbindung Richtung München und Regensburg. Bei Großveranstaltungen ist das fast immer entspannter als die Parkplatzsuche. Vom Bahnhof bringen Stadtbusse in die Altstadt. Fahrpläne gibt es bei den Stadtwerken Landshut.
Wochentag statt Sonntag
Wer es etwas ruhiger mag, kommt unter der Woche. Das Lagerleben hat dann mehr Platz, und man kommt eher mit den Mitwirkenden ins Gespräch. Den Hochzeitszug gibt es allerdings nur an bestimmten Tagen, also vorher ins Programm schauen.
Bequeme Schuhe, Wasser, Geduld
Kopfsteinpflaster, lange Wartezeiten am Straßenrand, Hochsommer: Mehr muss man dazu kaum sagen. Ein Sitzkissen für die Bordsteinkante ist kein schlechter Gedanke.
Mit Kindern
Für Kinder ist das Lager oft spannender als der Zug selbst, weil man näher dran ist und Handwerk zuschauen kann. Weitere Ideen für Familien sammeln wir unter Ausflüge mit Kindern rund um Landshut.
Zwischen den Festjahren
Auch in den drei Jahren dazwischen lässt sich die Geschichte nachvollziehen. Die Martinskirche, in der 1475 getraut wurde, steht mitten in der Altstadt. Oben auf dem Berg liegt die Burg Trausnitz, damals Sitz der Landshuter Herzöge. Was man dort heute sieht, steht in unserem Beitrag Burg Trausnitz besuchen. Und wer die Stadtgeschichte im Museum vertiefen möchte, findet Anregungen unter Museen in Landshut.
Wer beim nächsten Mal nicht nur zuschauen will: Bei den Förderern kann man sich als „Hochzeiter“ bewerben oder Mitglied werden. Wie das geht, steht auf der Website des Vereins.